War es das letzte Pulheimer Radrennen?

Das ausrichtende Radteam Pulheimer SC denkt über eine Änderung des Kurses nach.  Das wohl letzte Radrennen auf dem bekannten Kurs war für das Team des Pulheimer SC jedoch eine mannschaftliche Glanzvorstellung. Basti Esser schaffte es im C-Rennen auf den krassen 2. Platz. Der Sports.Punk führte das anschließende Interview mit ihm.

Das erste September-Wochenende ist seit Jahrzehnten in Radsportkreisen reserviert für das bekannte und traditionsreiche Pulheimer Radrennen um das „Wappen von Pulheim“. Für mich persönlich ist es, seitdem ich Rennrad fahre, ohne Übertreibung eines der wichtigsten und zugleich schönsten Wettkämpfe des Jahres.

 

Das liegt einfach und allein daran, dass ich in dem veranstaltenden Verein, dem Radsportteam Pulheimer SC, mit dem Rennradfahren angefangen habe, dort groß geworden bin und daher noch heute für dieses Team bei Rennen fahre. Dank dieses Vereins habe ich wirklich alle Facetten des Radsports gelernt und vor allem habe ich dort gelernt, dass Radsport und das Miteinander im Verein absoluter Teamsport ist. Die Bedeutung von Nehmen und Geben habe ich dort wohl am besten verstanden.

Genauso, weil es immer das Heimrennen war, bedeutet mir dieses Radrennen ein gewaltiges Stück Heimat. Heute, wo ich seit gut 15 Jahren nicht mehr in Pulheim wohne noch mehr als früher.


Seitdem ich wieder in Deutschland wohne und aktiv Rennradrennen fahre, freue ich mich auf das Pulheimer Radrennen und die alten Bekannten, die ich dort wiedersehe. Egal, wie weit die Anfahrt für mich war, es war ein Besuch zu Hause, bei der Familie, bei den Mädels und Jungs aus dem PSC, anderen Bekannten aus der Kölner Radsportszene und eben DEM Heimrennen.

 

So brannte es mir auch dieses Jahr wieder einige Wochen vor dem 6.9. tierisch unter den Fingern, weil ich heiß wie Frittenfett auf den Saisonhöhepunkt war.

Wie ich bereits im Laufe des Jahres berichtet habe, bin ich trotz einiger längeren Dienstreisen ziemlich gut im Saft was die Fitness angeht. Natürlich habe ich mich für das Pulheimer Rennen speziell vorbereitet. Denn es war ja erst mein drittes Lizenzrennen dieses Jahr.

 

Also viel erwarten konnte ich nicht. Doch die vermehrten Intervalle im Training und die Trainingssteuerung mit einem Wattmessgerät, haben angeschlagen. Außerdem stimmte es im Kopf und das ist wohl das Wichtigste.


Team Europe World Bicycle Relief nicht vollständig am Start

Nur zu gerne hätte ich, wie vor zwei Jahren, mit meinen zwei Buddys Axel und Kai am Start gestanden. Wir haben zusammen unsere Erfahrungen im Radsport beim PSC gesammelt. Zusammen haben wir Radrennen bestritten, Trainingslager weit mehr als nur absolviert, Trainingseinheiten bei Wind und Wetter durchgezogen.

 

In der Zwischenzeit hat jeder von uns einige Zeit dem Radsport den Rücken zu gekehrt. Wohl eher zwangsläufig, der guten Karriere willen. Mittlerweile wohnen wir weit entfernt voneinander. Doch das hält uns nicht davon ab, dem Radsportfieber wieder verfallen zu sein und so treffen wir uns bei dem ein oder anderen Radsportevent wieder. Also Vorsicht: Der Radsportsucht kann man auch nach Jahren der Abstinenz wieder verfallen!

 

Doch ich bin froh über dieses „Laster“. Leider habens Kai und Axel diesmal zeitlich nicht hin bekommen.

Als Dank für die tolle Zusammenarbeit im Team spendet Basti Esser seine Prämie für den 2.Platz an das Projekt World Bicycle Relief. Unter dem folgenden Link erfährst Du alles über dieses Spendenprojekt: -->Link zum Team Europe World Bicycle Relief auf betterplace.org


Das Ende eines großen Radrennens

Denn schon am Vortag des Rennens hieß es: In dieser Form war es wahrscheinlich das letzte Rennen. Während des Renntages wurde diese Nachricht nochmal bestätigt. Es ist für den Verein und seine ehrenamtlichen Helfer wahrscheinlich leider nicht mehr möglich, die Rennstrecke vor unnachgiebigen und rücksichtslosen Autofahrern abzusichern.

 

Die Nachricht, dass das Pulheimer Rennen nicht mehr auf diesem Kurs stattfinden soll finde ich sehr schade. Wie gesagt: Seit Jahrzehnten ist dieser Kurs bei Rennfahrer bis über Deutschlands Grenzen bekannt. Denn der Kurs hat Straßenrennen-Charakter mit seiner über 6km Länge, den langen geraden zwischen den drei Orten, die er verbindet und den zwei leichten Anstiegen nach Mansteden und auf der Zielgeraden. Nicht umsonst startete und gewann dort dieses Jahr der aktuelle U23 Deutsche Meister. Nicht umsonst waren immer holländische, belgische oder gar australische Teams am Start.

Auf der anderen Seite kann ich meinen Verein voll und ganz verstehen. Die Streckensicherung wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Im Bereich der Rennstrecke wird immer mehr gebaut und somit müssen immer mehr Einfahrten abgesichert werden. Das war in der Vergangenheit schon eine organisatorische Meisterleistung. Denn sowohl die Streckenposten als auch die Organisatoren des Rennens machen das komplett in Ihrer Freizeit. Daher gilt auch daher nochmals ein großer Dank an alle Streckenposten und die Organisatoren, allen voran Thomas Werner!

 

Wenn der Verkehr jedoch zunimmt durch erhöhte Bebauung, ist die Streckensicherung leider nicht mehr zu garantieren, so der Verein. Das ist schade, aber wohl auch die richtige Entscheidung. Denn das Wohl der Rennfahrer ist wichtiger als die Tradition oder das Spektakel.

Einsatz der Pulheimer Politik

Damit das Pulheimer Rennen aber weitergeht, sucht der Verein nun nach einer Alternativrunde. Und genau in dieser Phase erwarte ich persönlich nun auch den Einsatz der Pulheimer Politiker. Denn kann es angehen, dass die örtlichen Politiker zuschauen, wie so ein traditionsreiches Sportevent von der Bildschirmfläche verschwindet?

 

Dieses Radrennen ist wie gesagt weit bis über die Landesgrenzen bekannt. Wenn ich Radsportlern in Hamburg erzähle, dass ich aus Pulheim bin, sprechen sie mich auf dieses Rennen an. Zu der Veranstaltung selber kamen hunderte Fahrer und davon einige über von über hunderten Kilometer entfernt nach Pulheim und trugen so auch zur Steigerung der Bekanntheit des Stadtnamens bei; wie gesagt weit über die Stadtgrenzen hinaus.


Dabei lag die Organisation voll und ganz bei dem ausrichtenden Verein, dem Radsportteam des Pulheimer SCs. Daher ist es meiner Meinung (und das ist ausdrücklich meine persönliche Meinung) nach an der Zeit der Pulheimer Stadtpolitik sich für einen sinnvollen Fortbestand des Pulheimer Radrennens einzusetzen und den Organisatoren des Rennens Unterstützung anzubieten.

 

Diese Unterstützung kann heißen seitens der Politik auf die Vorschläge des Vereins für eine neue Strecke einzugehen. Denn der Verein weiß was er handlen kann und wie ein Rennen attraktiv für Zuschauer und Fahrer wird.

 

Diese Unterstützung kann jedoch auch darüber hinaus gehen. So habe ich bei einigen Radrennen gesehen, dass die Streckensicherung von anderen als nur dem ausrichtenden Verein gemacht wurde. Warum arrangiert die Stadt nicht die Streckensicherung? Wäre dann nicht sogar eine Rennstrecke durch noch zentralere Punkte Pulheims möglich? Wäre das nicht für Rennfahrer sowie vor allem für die Zuschauer attraktiver? Würde das die Stadt nicht attraktiver machen?

Vor dem Start des ersten Rennens um das "Wappen von Pulheim" dem Radrennen der C-Amateure
Vor dem Start des ersten Rennens um das "Wappen von Pulheim" dem Radrennen der C-Amateure
Das Team des Pulheimer SC steht in den Startlöchern zum Pulheimer Radrennen.
Das Team des Pulheimer SC steht in den Startlöchern zum Pulheimer Radrennen.
Eine weitere Runde ist absolviert den Manstedener Berg hinauf in Pulheim
Eine weitere Runde ist absolviert den Manstedener Berg hinauf in Pulheim

Ein Radrennen zum Stadtmarketing nutzen

Wenn man ein Sportevent zum Stadtmarketing nutzen will, muss man sich dafür einsetzen. Da bin ich voll auf der Seite des Streckensprechers. Er meinte während des Pulheimer Rennens: „Wenn Hamburg immer nur die Bewohner berücksichtigt hätte, die nicht verkraften können, dass die Rennstrecke an Ihrer Haustüre vorbeiführt, hätte die Stadt die Cyclassics nie auf die Beine bekommen.“ Die Cyclassics sind momentan Deutschlands größtes Radrennen. Sie bringen Zehntausende Besucher am Wochenende des Rennens nach Hamburg; der Werbeeffekt mal außen vor gelassen.

 

Ich (und der Streckensprecher genauso) sagen damit nichts gegen die Anwohner der bisherigen Strecke des Pulheimer Radrennens. Genauso wage ich es nicht Pulheim mit Hamburg zu vergleichen. Doch der Ansatz dieser Aussage ist richtig: Egal, wie die Entscheidung ausfällt, hundert Prozent wird man nicht jeden zufrieden stellen können.

Wie lief das Radrennen Pulheim 2015 für die C-Amateure?

Von der Politik schalten wir jetzt direkt zu dem sportlichen Teil des Pulheimer Radrennens 2015. Dafür habe ich mir etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Denn den Rennbericht des Rennens der C-Amateure liefert hier und jetzt Basti Esser in Form eines Interviews.

 

Basti Esser hat dort nämlich den sensationellen 2. Platz belegt. Er fährt genauso wie ich für das Radteam Pulheimer SC und so war es unser Heimrennen. Daher haben wir auch eine Mannschaftsleistung par excellence gezeigt. Als Dank an die Mannschaft spendet Basti lobenswerter Weise seine Prämie an das Team Europe von World Bicycle Relief.

 

Doch lassen wir ihn endlich zu Wort kommen:

Interview mit Basti Esser

Sports.Punk: Wie hast du dich auf das Rennen vorbereitet?

Basti Esser: Ich habe viel Zeit auf dem Rad verbracht und habe dabei nach einem speziellen Trainingsplan trainiert meistens zusammen mit Freunden damit es nicht so langweilig wird.

 

Sports.Punk: Das klingt sehr ehrgeizig und richtig. Denn zusammen motiviert man sich gegenseitig. Wie verlief denn dann das Pulheimer Rennen bis zu dem Zeitpunkt wo die Fluchtgruppe ging, mit der Du bis ins Ziel durchgefahren bist?

Basti Esser: Bis zum Sprung in die Gruppe habe ich versucht mich so gut wie möglich zu schonen, damit ich meine Kraft am Ende noch zur Verfügung habe.

Dabei haben mich meine Teamkollegen super unterstützt, indem sie mir Windschatten gespendet haben und Ausreißversuche aufgefahren haben.

 

 

Sports.Punk: Wie hast du den Sprung in die Fluchtgruppe geschafft?

Basti Esser: Als es dann so aussah, als ob sich die richtige Gruppe gefunden hat, habe ich dann selber attackiert und konnte mit einigen anderen Fahrern zur vorderen Gruppe aufschließen.

Ab diesem Zeitpunkt haben meine Teamkollegen sich im großen Fahrerfeld vorne eingereiht und darauf geachtet, dass die Gruppe nicht wieder vom Peloton oder weiteren Fahrern geschluckt wurde. Daran sieht man auch wie wichtig Teamwork beim Radfahren ist.

Hier findest Du bald auch ein Video zum Rennen -->Videos

Das Video zum Radrennen Pulheim:


Basti sprintet zum 2.Platz beim Pulheimer Radrennen 2015. Bild: Squadra Colonia
Basti sprintet zum 2.Platz beim Pulheimer Radrennen 2015. Bild: Squadra Colonia

Sports.Punk: Wie lief denn die Zusammenarbeit in der Gruppe? Oder gab es etwa gar keine?

Basti Esser: Selbstverständlich gibt es immer Rennfahrer die ihren Teil Führungsarbeit nicht verrichten wollen. Mit einigen Anfeuerungsrufen der anderen Rennfahrer hat’s dann aber doch irgendwie ausgereicht, um die Gruppe erfolgreich ins Ziel zuführen.

 

Sports.Punk: Na, und jetzt brennen wir alle auf Deine Schilderung Deines Killer-Schlussspirts...

Basti Esser: Da die Rennstrecke direkt vor meiner Haustür liegt, kannte ich die kurven und Straßenverhältnisse sehr genau. Außerdem wusste ich genau wo ich antreten muss, um einen guten und vor allem nicht zu frühen Sprint zu fahren, so dass mir nicht kurz vor dem Schlussstrich die Puste ausgeht.

Als ich dann 200m vor dem Zielstich antrat und in Führung ging, konnte ich am Streckenrand schon die Anfeuerungsrufe meiner Freunde und Familie hören. Das hat mich enorm motiviert und gepusht.

 

Sports.Punk: Du wohnst also an der Rennstrecke. Da blutet Dir doch bestimmt das Herz, weil es sehr wahrscheinlich das letzte Rennen dort war?

Basti Esser: Natürlich finde ich es sehr schade! Keine Frage.

Die Pulheimer Runde ist etwas ganz Besonderes und war für viele Rennfahrer schlichtweg ein Saisonhighlight.

Durch die Haltung vieler Menschen, dass "die Radfahrer doch eh alle gedopt sind", fehlen leider häufig die Helfer um solche traditionsreichen Rennen zu erhalten. Da muss man unseren Verein als Ausrichter verstehen. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten. Denn ich bin sicher das unser Radteam Pulheimer SC eine gute Alternative findet und sich dafür wieder voll ins Zeug legt. Wie all die Jahre zuvor auch.


Sports.Punk: Vielen Dank für Deine Antworten! Und: Es war mir eine Ehre für Dich zu "bremsen" und hat auch mir vor allem wieder viel Spaß gemacht. Ich finde es super, dass wir als Team für World Bicycle Relief spenden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Tim (Sonntag, 13 September 2015 12:56)

    Erstmal Gratulation für den zweiten Platz von Basti Essser innerhalb eures Teams. Eine großartige Geste, den Gewinn einer solch sinnvollen Stiftung zukommen zu lassen.
    Als "Hobbyrennradfahrer" ist es traurig davon hören zu müssen, dass mehr und mehr traditionsreiche Veranstaltungen modifiziert oder gar komplett gestrichen werden, während jedes kleinste Dorf mit einem Kunstrasenplatz für den örtlichen Fußballverein ausgestattet wird.

    Ich hoffe, dass es eine sinnvolle Lösung des PSC mit den Politikern geben wird, die sich nicht nur darauf beschränkt das Rennen irgendwie, sondern im gleichen Maßstab und mit der gleichen Freude aller Beteiligten auszurichten.

    Denn darum sollte es letztendlich gehen: Spaß an der Veranstaltung für Fahrer, Zuschauer und allen ehrenamtlichen Helfern.

    MfG Tim