Tatonka und die Nachhaltigkeit

Auf Anfrage einer aufmerksamen Sportspunk – Leserin, habe ich die Outdoormarke Tatonka hinsichtlich Nachhaltigkeit unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis dieser Recherche ist interessant, denn es zeigt am Ende in welchen einfachen Mustern Sportartikelhersteller auf Meinungsäußerungen der Öffentlichkeit reagieren – vorausgesetzt sie sind halbwegs schlau und agil wie das Beispiel Tatonka zeigt.

 

Ich betrachte im Folgenden die Nachhaltigkeit von Tatonka im sozialen sowie im ökologischen Sinne bezogen auf die Herstellung der Outdoorbekleidung und –ausrüstung.

 

Doch erstmal Grundlegendes über Tatonka: Tatonka ist eine deutsche Marke, die 1981 von der Familie Schechinger gegründet wurde, ihren Hauptsitz in Dasing bei Augsburg hat und seitdem von der Familie geführt und auch besitzt wird. Laut Aussage der Firma (und da habe ich nichts Gegenteiliges gesehen) läßt die Firma für ihre Marke Tatonka ausschließlich bei dem vietnamesischen Hersteller Mountech Co. Ltd. produzieren. Mountech ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der Tatonka GmbH.

 

Soziale Nachhaltigkeit:

 

Genau darin liegt die Stärke in puncto Nachhaltigkeit der Marke Tatonka. Denn als 100%ige Tochter kann man aus Deutschland genaue Vorgaben geben und Standards setzen. So hat man direkten Zugriff auf die Produktion und die Art und Weise wie die Ware hergestellt wird. Es ist ein riesiger Unterschied, ob eine Sportmarke Unterlieferanten in Fernost beauftragt etwas für sie zu produzieren oder ob die Marke ihre eigene Produktion dazu beauftragt. Ich denke die Unterschiede sind klar.

 

Susanne Berglus, ihres Zeichens Reporterin für das Handelsblatt Nachhaltige Investments, machte dies kürzlich in einem Bericht deutlich, als sie als Journalistin in Brasilien die Lieferketten deutscher Firmen in dem Land untersuchen wollte. Selbst europäisch stämmige Vertreter der Lieferanten waren plötzlich nicht mehr zu erreichen, hielten Termine nicht ein oder wechselten urplötzlich ihre Anschriften.

Der Bericht verdeutlichte, dass es ungemein schwer ist durch andere Länder und andere Sitten, seine Lieferketten zu kontrollieren. Daher kann mir Adidas, Nike und Co. auch mit ihrem Corporate Social Responsibility – Blabla hinsichtlich eigener Regeln in ihrer Lieferkette gestohlen bleiben. Es wird nie für funktionieren. Das beweisen auch die jüngsten Vorfälle bei Primark. Nichts geht eben über eine eigene Produktion. Wenn diese dann noch in Deutschland ist oder Europa, gäbe es nichts zu meckern. Aber da ist man dann wieder beim Thema Kosten angelangt.

 

Tatonka läßt es glücklicherweise zumindest hinsichtlich Sozialstandards aber auch nicht dabei beruhen, dass Werk zu besitzen. Sondern legt sich dort -wie sie selber sagen- Standards auf die über das gesetzlich geforderte hinaus reichen. Auch haben sie in der Fabrik das Projekt „open factory“ initiiert. Eine eigene Internetseite für das Projekt informiert über die eigenen Standards und Arbeitsverhältnisse und Besuchern wird die Fabrik komplett zugänglich gemacht.

 

Das sieht in meinen Augen überdurchschnittlich transparent aus. Daher bewerte ich Tatonka hinsichtlich Sozialstandards auch gut. Sehr gut würde ich es nennen, wenn die Produktion in Europa liegen würde.

 

Mit diesem Projekt komme ich auch zu meiner eingangs gemachten Aussage. Denn Tatonka hat dieses lediglich auf äußeren Druck, anscheinend ausgehend von einer Umfrageaktion der Organisation Clean Clothing Campaign (CCC), initiiert. CCC hatte in 2009 verschiedene Outdoormarken, darunter eben auch Tatonka, hinsichtlich Nachhaltigkeit befragt und diese Ergebnisse veröffentlicht. Vermutlich bemerkte man bei Tatonka, dass das eigene Verhalten schlecht für das Markenimage war und so wurde direkt nach dieser Aktion das Projekt open factory ins Leben gerufen.

Anders kann ich mir die zeitliche Abfolge der Ereignisse nicht erklären. Tatonka hatte nämlich damals in der Umfrage die Aussage gemacht, dass für dieses Thema kein Interesse bei Tatonka besteht. Wenn es dafür kein Interesse bei Tatonka gab, wieso beginnt man dann nur einige Monate später dieses Projekt, das ausschließlich dem Aufpäppeln des Nachhaltigkeitsimages der Firma dient?

 

Letzten Endes beweist mir das wiederum, das die Firma hier nur etwas unternommen hat, weil Aktivisten etwas ans Tageslicht gefördert haben und zweitens die Organisationsstruktur (nämlich eigene Produktion und Familien-geführt) schnelles und flexibles reagieren auf diesen öffentlichen Druck ermöglicht hat. Tatonka hat damit verstanden, auf Aktivisten zu hören und zu reagieren. Aus eigenem Antrieb kam der Umschwung leider nicht.

 

Unter der Marke Tasmanian Tiger produziert das Unternehmen auch Bekleidung für das Militär. Wie man dazu steht und ob man dies unterstützen möchte, überlasse ich an der Stelle dem Leser.

 

Ebenso hat das Unternehmen die amerikanische Outdoormarke Teva aufgekauft. Leider konnte ich nichts zu der Herstellung dieser Marke erfahren. Daher gehe ich hier mal von nicht sehr hohen Standards aus.

 

Ökologische Nachhaltigkeit:

 

Dazu werden keine Angaben gemacht, außer dass lokale Umweltgesetze beachtet werden. Das sind natürlich gerade in Asien keine hohen Ansprüche, die man sich hier stellt. Ich behaupte einfach mal, Tatonka braucht auch hier erst den öffentlichen Druck, um dann auch hier zu reagieren und Standards zu implementieren. Doch dann kann ich mir vorstellen, dass wieder schnell Aktionen gestartet würden. Wie in dem Fall von der Clean Clothes Campaign.

 

Auch in den Angaben zu verwendeten Materialien gibt es keinen einzigen Hinweis auf eine Auswahl hinsichtlich ökologischer Aspekte. Das finde ich schade. Denn im Textilbereich gibt es immer mehr Möglichkeiten umweltverträgliche Stoffe zu verwenden und Produktionsschritte umweltverträglicher zu gestalten.

 

Kurz zusammengefasst:

 

Mit einem Einkauf bei Tatonka muss man sicherlich nicht das schlechteste Gewissen haben. Gerade durch die eigene Produktion und den auferlegten Standards sind sie den großen Marken, die nur über Lieferantenketten produzieren lassen einen weiten Schritt voraus. Aber ökologisch sehe ich bei Tatonka kein Plus gegenüber anderen Herstellern.

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